In Bundesliga, Netzhoppers

Begegnungen gegen die SVG Lüneburg im Jahr 2016 sollten die Volleyball-Spieler der Netzhoppers SolWo Königspark KW ganz schnell aus ihrem Gedächtnis streichen, denn alle vier Duelle gingen klar und deutlich an das Team aus Niedersachsen. Zudem konnte die Mannschaft aus dem Dahmeland in keiner dieser Begegnungen einen Satzgewinn verbuchen. Unter den 613 Zuschauern, die die 0:3-Niederlage (21:25, 18:25, 19:25) in nur 58 Minuten Spielzeit gegen die Norddeutschen am Mittwochabend in der Bestenseer Landkost-Arena sahen, waren auch zwei prominente Ehrengäste.

„Eigentlich warteten wir nur auf die Fehler der Netzhoppers“

Ex-Turbine-Coach Bernd Schröder und der Canadier-Olympiasieger von 1964 in Tokio, Jürgen Eschert, waren extra aus Potsdam angereist, um den Gastgebern im letzen Match des Jahres etwas Glück zu bringen. „Leider hat es nicht mit einem Heimsieg geklappt“, ärgerte sich Schröder. Eschert benannte ganz klar die Gründe dafür: „Die Fehlerquote bei den eigenen Angaben war bei den Netzhoppers viel zu hoch, da war Lüneburg deutlich abgezockter.“ Auch Coach Mirko Culic wollte auf der anschließenden Pressekonferenz die Pleite nicht schön reden: „Wir haben besonders in Situationen schlecht ausgesehen, in denen der Gegner gut aufgeschlagen hat. Auch bei diversen Blockaktionen war mein Team nicht immer auf der Höhe. Wir haben einfach nur schlecht gespielt, besonders in Momenten, in denen wir die Initiative hätten ergreifen müssen.“ So sah es auch Gästetrainer Stefan Hübner. „Eigentlich warteten wir nur auf die Fehler der Netzhoppers, die sie in den entscheidenden Situationen immer wieder gemacht haben.“

Besonders im ersten Durchgang dauerte es eine Weile, bis die Hausherren überhaupt ins Spiel gefunden hatten. Auf der Liberoposition schenkte Culic Rückkehrer Kamil Rataczjak das Vertrauen. Dieser agierte anfangs zwar noch sehr nervös, aber mit zunehmender Spieldauer fand er immer besser in die Partie. Doch bei den harten und platzierten Schmetterbällen von Ex-Nationalspieler Matthias Pompe, die er von der linken Außenposition mit sehr viel Präzision ins Feld wuchtete, war auch der 31-Jährige oftmals machtlos und auf sich alleine gestellt, da der eigene Block zu selten funktionierte. Nach 26 Minuten ging der erste Durchgang mit 25:21 an die SVG.

Im zweiten Abschnitt rieben sich die Netzhoppers-Fans verwundert die Augen. Nach einer Aufschlagserie von  Björn Andrae führte ihr Team schnell mit 5:1. „Da hatte Björn einen richtig guten Lauf“, scherzte sein ehemaliger Nationalmannschaftskollege Pompe, der mit einer unglaublichen Energieleistung mit seinem Team – auch bedingt durch viele individuelle Fehler der Gastgeber – diesen Rückstand noch in einen 25:18-Erfolg umwandelten. Im dritten und letzten Satz spielte Lüneburg ganz abgezockt ihren Stiefel herunter. Über die Zwischenstände von 8:5, 16:13 und 21:17 ging dieser Durchgang nach nur 24 Minuten ebenfalls an die SVG. „Wir haben auch das zweite Spiel gegen die Netzhoppers verdient gewonnen, weil wir nach dem  Rückstand im zweiten Satz wieder zu uns gefunden haben“, resümierte Pompe.

Familienbesuch aus den USA

Sein Coach Stefan Hübner fasste die Partie ähnlich zusammen: „Wir mussten die Netzhoppers nur zum Spielen bringen, das ist meinem Team ganz gut gelungen. So führten immer wieder leichte Fehler der Gastgeber zum Punktgewinn für meine Mannschaft. Vom Gefühl her war es ein ähnliches Spiel wie vor elf Tagen bei uns. Eigentlich hatten wir nur zu Beginn des zweiten Satzes ein paar Probleme, als Björn diese Aufschlagserie hinlegte. Aber ansonsten war er relativ wenig im Spiel“, so Hübner, „auch mit unseren Aufschlägen war ich sehr zufrieden, die oft eine deutliche Wirkung beim Gegner hinterlassen haben. Im Großen und Ganzen hatten meine Jungs die Begegnung im Griff und sich dadurch mit einem verdienten Erfolg belohnt.“

Trotz der Niederlage hatte Zuspieler Taylor Hammond nach dem Spielende ein kleines Lächeln im Gesicht, denn seine Eltern und Schwester Dilynn waren über die Feiertage aus Mission Viejo (USA, Kalifornien) angereist. Sie sahen überhaupt das erste Mal ein Volleyball-Bundesligaspiel live, denn Sohn Taylor war bisher nur in der heimischen College-Liga aktiv. „Die Stimmung in der Halle war unglaublich, das kenne ich vom USA-Volleyball nicht“, sagte Dilynn Hammond, „auch das Spiel der beiden Mannschaften war viel schneller und athletischer als bei uns zu Hause. Ich fand es nur schade, dass Taylor mit seinem Team heute verloren hat, ich hätte mir so gerne einen Sieg für ihn und das Team gewünscht. Immer wenn Taylor spielt, versuche ich, die Partien live im Internet zu verfolgen. Das ist aufgrund des Zeitunterschiedes von neun Stunden manchmal nicht möglich.“

Aber nicht nur Sport stand bei den Hammonds auf dem Programm, auch kulturell wurde ihnen bei ihrer ersten Reise nach Deutschland etwas geboten. „Wir waren am Brandenburger Tor, am Reichstag, haben den Weihnachtsmarkt auf dem Alexanderplatz besucht und natürlich die East Side Gallery, die wollte meine Familie unbedingt einmal sehen“, sagte Taylor Hammond, für den die Netzhoppers SolWo Königspark KW die erste Station außerhalb der USA ist.

Recent Posts
Kontaktiere uns!