In Bundesliga, Netzhoppers

Ein Wahnsinnsspiel sahen die 473 Zuschauer in der Landkost-Arena zwischen den Netzhoppers SolWo Königspark KW und Aufsteiger Helios Grizzlys Giesen am vergangenen Samstagabend. Nach zweieinhalb Stunden setzten sich die Gastgeber nach hartem Kampf mit 3:2 (30:28, 18:25, 32:30, 23:25, 30:28) gegen die Truppe aus Niedersachsen durch. Alleine der Tie-Break – der eigentlich nur bis 15 Punkte geht – dauerte 34 Minuten. Ein Blick in die Geschichtsbücher des Deutschen Volleyballs brachte anschließend Gewissheit. Ein 30:28 im fünften Satz gab es in der Bundesliga noch nie. Die „Deutsche Volleyball Zeitschrift“ listete in ihrer Chronik am 23. Januar 1993 einen 31:29-Sieg vom TV Eppingen beim Spiel  in Helmstadt, doch diese Partie wurde in der Bezirksliga Rhein-Neckar ausgetragen.

„Das heutige Match war große Werbung für den Volleyball“, sagte Helios-Trainer Itamar Stein nach dem Spiel. Ansonsten haderte er ein wenig mit der Leistung seines Teams. „Wir haben in den entscheidenden Momenten einfach zu viele Fehler am Netz gemacht.  Ich bin schon sehr enttäuscht, dass wir dieses Duell am Ende nicht gewonnen haben. Im dritten Satz lagen wir schon mit fünf Punkten vorn und schaffen es nicht, diesen Abschnitt zu holen. Da war für uns deutlich mehr drin“, so Stein. Auch sein Spieler Robert Schramm – der in der Saison 2016/2017 bei den Netzhoppers spielte und der von 30 Fans von seinem Heimatverein VC Storkow in der Halle unterstützt wurde – hatte sich seine Rückkehr nach Bestensee  sicherlich etwas anders vorgestellt. „Wir haben heute zwei Punkte verloren“, erkannte der 29-Jährige, der nur bei Aufschlägen von Stein eingesetzt wurde. „Der Coach schonte mich für die Play-offs“, so der Grizzlys-Akteur mit einem deutlichen Augenzwinkern im Gesicht, den Rang acht ist für den Aufsteiger in dieser Saison sicherlich nicht mehr drin.

Von dieser Platzierung träumt Netzhoppers-Trainer Mirko Culic, obwohl er den Ball noch sehr flach hält. „Nach dem schwer erkämpften Erfolg gegen Giesen schauen wir jetzt nur von Spiel zu Spiel und werden noch nicht den Rechenschieber im Kampf um Play-off-Platz acht zur Hilfe nehmen.  Jetzt bin ich erst einmal glücklich, dass meine Jungs eine voll konzentrierte Leistung gegen einen sehr starken Gegner abgeliefert haben und nach zwei verlorenen Tie-Breaks in Folge wieder einmal einen Entscheidungssatz gewinnen konnten. In meiner langen Karriere habe ich so einen fünften Satz noch nicht erlebt, denn dieser war vom Verlauf her der Wahnsinn, da wir neun Matchbälle von Helios abgewehrt haben.“

Die Brandenburger gingen hoch konzentriert in den ersten Abschnitt und lagen schnell mit 5:2 in Front. Je länger der Satz dauerte, umso besser fand Giesen jedoch ins Spiel. Bei Helios war es der Franzose Jerome Clere (insgesamt 36 Punkte), der am Netz vom Netzhoppers-Block nur selten zu stoppen war. Beim 30:28 hatte das Culic-Team am Ende jedoch die Nase vorn. Von Anfang an führten die Niedersachsen im zweiten Durchgang. Über die Zwischenstände von 8:6, 16:12 und 21:17 erreichte Helios beim 25:18 den Satzausgleich.

Auch im folgenden Abschnitt war das Stein-Team anfangs die tonangebende Truppe auf der Platte (9:4). Culic reagierte und brachte Martin Krüger für Stammzuspieler Luke Herr in die Partie – mit Erfolg. Außenangreifer Theo Timmermann (21 Punkte), der neben dem wertvollsten Spieler der Begegnung (MVP), Dirk Westphal, eine richtig starke Vorstellung zeigte,  gab in der dieser Phase des Matches richtig Gas. Mit zwei Zählern in Folge brachte er sein Team auf 12:15 heran. Ein starker Block von Kenneth Rooney brachte den 20:20-Ausgleich. Wie schon Satz eins sollte auch dieser Durchgang in der Overtime entschieden werden. Nach einem gutem Aufschlag von Theo Timmermann zum 31:30 war es anschließend Arran Chambers, der den dritten Satzball für die Dahmeländer zum 32:30 verwandelte.

Durchgang Nummer vier ähnelte den drei Abschnitten zuvor, denn erneut lag Giesen lange Zeit deutlich vorn (12:10, 16:13, 18:14, 20:18). Zwar gelang Timmermann kurz vor dem Satzende noch der 21:21-Ausgleich, doch ein Aufschlag von Luke Herr, der weit übers Feld hinwegging, brachte den 2:2-Satzausgleich für die Grizzlys. Der alles entscheidende Tie-Break sollte anschließend in die Volleyball-Geschichtsbücher eingehen. Helios erwischte abermals den besseren Start (5:2) und die Brandenburger liefen erneut einem Rückstand hinterher.

Dirk Westphal sorgte mit einem erfolgreichen Netzangriff für den 10:10-Ausgleich. Beim 14:13 hatten die Grizzlys Giesen ihren ersten Matchball vor der Brust, der von den Netzhoppers erfolgreich abgewehrt wurde. Auch die folgenden acht Möglichkeiten für die Gäste, mit einem Sieg nach Hause zurückzufahren, konnte das Culic-Team unterbinden. Nach einem starken Doppelblock von Arran Chambers und Kapitän Casey Schouten gelang es den Netzhoppers SolWo Königspark KW, ihren sechsten Matchball zum 30:28-Erfolg nach 34 Minuten erfolgreich im gegnerischen Feld unterzubringen.

Bilder zum Wahnsinnsspiel bei Dagmar Jaschen und Wolfgang Purann.

 

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