U20m - „Da war mehr drin.“
Geschrieben von: Paul Hofmann Mittwoch, den 01. Juni 2011 um 05:09 Uhr
Kopfschütteln, hängende Schultern und fliegende Wasserflaschen: Nach der Vorrundenpleite gegen den TSV Mimmenhausen stellten sich bei den U20-Jungs der NETZHOPPERS schnell die typischen Symptome einer unnötigen Niederlage ein. Schließlich sollte das Duell mit dem Süddeutschen Meister den Unterschied zwischen einer zufriedenstellenden und einer erfolgreichen Deutschen Meisterschaft in Hirschau ausmachen.
„Wir sind nicht ins Spiel gekommen und haben diese für den weiteren Turnierverlauf so bedeutende Aufgabe emotional nicht angenommen“, resümierte Trainer Florian Grüschow nachdem man gleich im zweiten Spiel des Turniers die erste Niederlage hinnehmen musste. Dass der Kontrahent aus Mimmenhausen des Volleyballs ebenfalls mächtig ist, war schwer zu verkennen: Die Jungs aus Baden-Württemberg hatten im Kampf um den Titel des Süddeutschen Meisters niemand Geringeren als den VfB Friedrichshafen hinter sich gelassen. Nichtsdestotrotz war man als Favorit in die Partie gegangen: „Wir sind ihnen physisch und spielerisch klar überlegen gewesen. Eigentlich muss das bei einer Deutschen Meisterschaft zum Sieg reichen“, beklagte Grüschow nach dem 0:2 (22; 13).
Die überaus „humane“ Vorrundengruppe seiner Mannen erwies sich so als schmaler Grat zwischen Fluch und Segen: Die 2:0-Pflichtsiege gegen Weihe (Regionalmeister Nordwest) und den Gastgeber aus Hirschau, die eher Konzentration denn spielerische Qualität erfordert hatten, fuhr man zwar mit starkem Aufschlagspiel durchaus souverän ein, wusste allerdings trotz oder gerade aufgrund des zweiten Platzes in der Vorrunde kaum, wo man selbst im Vergleich zu den anderen Teams stand.
So fuhren die Männer um Kapitän Ole Ernst ihre erste Reifeprüfung „Mimmenhausen“ gründlich gegen die Wand und durften sich nach 11 Stunden in der Spielstätte und 2 Stunden Pause mit dem VfL Lintorf um einen Platz im Viertelfinale streiten. Dabei konnte einem jedoch schon beim Einschlagen Angst und Bange werden: Der VfL, der in Ex-Nationalspieler Ralf Bergmann einen prominenten Coach vorzuweisen hatte, wirkte hellwach, spielfreudig und bestrebt, den NETZHOPPERS einen schnellen Gnadenstoß zu versetzen.
Zur Verzückung des mitgereisten Fanblocks wendete sich das Blatt mit dem Anpfiff: Die Brandenburger schlugen vor allem durch C. Käpernick beständig druckvoll auf, warfen sich in der Feldabwehr in jeden Angriff des durch einige Zweitligaakteure verstärkten Kontrahenten und zeigten endlich, wozu sie fähig sind. Nach einer Deklassierung im ersten (15) und einem Herzschlagfinale im zweiten Satz (23) war das Viertelfinale erreicht und ein wechselhafter Turniertag zu einem versöhnlichen Ende gebracht. Lediglich das Klemmbrett von Co-Trainer Hofmann, das der Anspannung zum Opfer fiel und die bedauernswerten Lintorfer hatten Grund zum Klagen.
Diese Leistung galt es am Sonntagmorgen möglichst noch zu toppen: Der VfB Friedrichshafen wartete ab 9 Uhr in fremder Halle im benachbarten Schnaittenbach. Somit hatte sich also auch die überflüssige Niederlage gegen Mimmenhausen in der Vorrunde gerächt. Als Tabellenerster hätte man im Viertelfinale gegen den SCC Berlin ans Netz gedurft. Die Hauptstädter wurden bei den Nordostdeutschen Meisterschaften schon deutlich bezwungen und wären sicher ungern gegen hochmotivierte NETZHOPPERS ans Netz gegangen. Wesentlich bessere Chancen also auf einen Platz im Halbfinale als gegen den VfB.
Komplett aus Zweitligaspielern bestehenden Häflern trat man als krasser Außenseiter jedoch engagiert entgegen und erlaubte es dem späteren Bronzemedaillengewinner nicht, sich ernstzunehmende Führungen zu erschmettern. Doch mit zunehmender Dauer kam die individuelle Klasse Friedrichshafens zum Tragen, die NETZHOPPERS litten unter fehlender Präzision in der Annahme und des Gegners Verhalten in Block und Feldabwehr erschwerte das Punkten erheblich. So stand am Ende ein verdientes 0:2 (19; 21), das Trainer Grüschow realistisch einzuordnen wusste: „Wir haben den Schwung aus dem Lintorf-Spiel bedauerlicherweise nicht ganz mitgenommen und nur durchschnittlich agiert. Das reicht gegen eine Topmannschaft wie den VfB eben nicht zum Einzug ins Halbfinale.“
So setzten sich die noch etwas desillusionierten Brandenburger Platz 5 als Ziel. Dieser musste zuallererst gegen den Westdeutschen Meister aus den Reihen TuB Bocholts verteidigt werden. Zu zahlreichen vermeidbaren Fehlern in Annahme und Angriff sowie dem flüssigen Kombinationsspiel der Münsterländer gesellte sich die Erkenntnis, dass nach dem verlorenen Viertelfinale die Luft einfach raus war. Die schlechteste Turnierleistung brachte folgerichtig ein 0:2 (17; 21) und die Gewissheit, maximal noch auf Platz 7 landen zu können.
Da man sich bekanntermaßen stets zweimal im Leben trifft, wartete im letzten Jugendspiel vieler NETZHOPPERS der TSV Mimmenhausen. Motiviert werden mussten die Jungs beim Versuch der Revanche also nicht. Mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung und erneut druckvollem Aufschlagspiel brachte man den Gegner diesmal zu Fall (22; 23) und sicherte sich den 7. Rang.
„Für den Großteil war es die letzte Meisterschaft im Jugendbereich, fünf der Jungs haben noch mindestens eine Saison vor sich. Wir haben ein erlebnisreiches Wochenende unter guten Rahmenbedingungen hinter uns und sind mit dem 7. Platz schon zufrieden“, bilanzierte Trainer Grüschow nach dem hochklassigen und dramatischen Finale, in dem die Vulkan Volleys Westerwald dem favorisierten Schweriner SC überraschend ein 2:1 abgerungen hatten.
Der Funken Wehmut ließ sich jedoch kaum unterdrücken: „Aufgrund der leichten Vorrundengruppe haben wir uns schon Chancen aufs Semifinale und damit eine Medaille ausgemacht, die wir dann durch die Niederlage gegen Mimmenhausen nicht wahrnehmen konnten. Da war mehr drin.“![]()
Für die NETZHOPPERS in Hirschau am Ball: Christopher Niels Käpernick, Tobias Zehlike, Ole Ernst (C), Sebastian Mättig, Robert Lietzke, Alexander Gierhards, Steven Wilke, Jonathan Sommerfeld, Yannick Becker, Paul Beisert und Robin Ellerkmann.
Paul Hofmann
Kommunikation NETZHOPPERS































































