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Home Saison Nachwuchs U16 männlich U16m-Never forget Poltawa 2011 – Dritter Platz und tolles Feeling
Wir bedanken uns bei den Unterstützern des Vereins und des Bundesligateams.
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U16m-Never forget Poltawa 2011 – Dritter Platz und tolles Feeling

Ich weiß  gar nicht so richtig wo ich anfangen soll. Trotz des wenigen Schlafes der letzten Tage, konnte ich kaum schlafen und hatte unzählige Erlebnisse dieser Woche in meinem Kopf. Ich werde wohl chronologisch vorgehen und der Leser muss sich auf einen kleinen Roman einstellen:

Im September 2010 begann die Planung für unsere Fahrt in die Ukraine, wer kommt mit, welche Verkehrsmittel benutzen wir, welche Kosten müssen wir einkalkulieren. Dieses Turnier wird in zwei Altersklassen gespielt und wir haben mit unserer U16 die jüngere Altersklasse bestritten. Während für einige Spieler die Teilnahme völlig außer Frage stand und sogar heißgeliebte Skiurlaube dafür abgesagt wurden, konnten die meisten U16 Spieler sich leider nicht für eine Teilnahme entscheiden.  

TAG 1

Am Sonntag den 30.01.2011 ging es dann endlich los! Um 07:45 Uhr traf man sich am Flughafen Tegel froher Erwartung und mit einiger Aufregung in folgender Besetzung:

Paul Beisert, Theo Timmermann, Bastian Ellerkmann, Lukas Wieland, Philipp Dorn mit Unterstützung von Firas El Dik und Kevin Grote. Außerdem dabei Susi Dorn und Eva Ellerkmann und natürlich nicht zu vergessen unser Alleskönner und Cheforganisator Victor Kaliberda, der vielen noch aus der Frühgeschichte der Netzhoppers bekannt sein dürfte und bei den Spielern als Vater des Nationalspielers Dennis Kaliberda bekannt ist.

Zumal ausreichend Zeit vorhanden war, konnten einige noch einmal den Flughafen unsicher machen, bevor es dann zum Check-In ging. Mit 11 Personen kann der schon mal eine Weile dauern. Im Anschluss ging es dann durch die Kontrolle und man befand unsere Trainingskleidung als ungefährlich und wir konnten ohne Probleme passieren. Nach einem kurzen Aufenthalt im Duty-free-Bereich ging es dann endlich ins Flugzeug. Mit zwei schicken Propellern und einer kleinen familiären Maschine ging es dann pünktlich um 09:45 Uhr Richtung Startbahn und wir hoben ohne Probleme ab. Unter lautem Rattern und Brummen und Theos Massagelehne im Ohr vergingen die ersten Minuten. Einige schliefen sofort ein, andere dachten sich es wäre doch toll über Nicoles Kopf hinweg, die ebenfalls versuchte ein wenig zu schlafen, ein paar Runden „Ich sehe was, was du nicht siehst“ zu spielen. Vielen Dank noch mal Jungs! Um 11:20 Uhr trafen wir wie geplant in Budapest ein. Der ein oder andere konnte sich noch einen Stempel aus Ungarn in seinem Reisepass sichern. Dann hieß es eine Weile warten. Bereits 1 ½ Stunden nach unserer Landung konnten wir um 12:50 Uhr endlich nach Kiev und damit in die Ukraine starten. Dieses Mal in einem deutlich größeren Flugzeug. Erneut nutzten fast alle die Möglichkeit zu Schlafen oder zumindest zu Schlummern. Nach 90 Minuten Flugzeit landeten wir wieder pünktlich und ohne Komplikationen auf dem Flughafen Borispol in der Ukraine. 14:25 Uhr unserer Zeit bedeutete 15:25 Uhr Ortszeit. Dort ging dann Alles „Zack Zack“ und wir stürmten nach der Kontrolle aus dem Flughafen direkt zu unserem Bus vor dem Flughafengelände und versuchten die gefühlten tausend Koffer, mit denen wir reisten, in den Bus zu stapeln oder besser zu stopfen. In diesem kleinen aber feinen 15 Personen Bus mussten wir nun noch einige Stunden ausharren bis wir endlich in Poltawa ankommen würden. Wir machten zwischendurch noch Halt mitten im Nirgendwo, um auf Toilette zu gehen. Wer sich jetzt ein Klobecken mit Klobrille und Toilettenpapier denkt liegt ein bisschen daneben. Kabinen, die auf Brusthöhe enden ermöglichen einem seinen Nachbarn noch einmal genauer zu betrachten, sehr günstig bei Unisex-Toiletten. Zudem fand man, statt des geliebten Klobeckens ein Loch vor. Auch dieses kleine Abenteuer gemeistert, traten wir unsere letzte Etappe auf dem Weg nach Poltawa an.

Etwa 19:15 Uhr trafen wir dann endlich vor unserem Hotel Kiev ein. Im Foyer gab ich die Zimmeraufteilung bekannt: Paul und Lukas (423), Basti und Theo (520), Kevin und Firas (431), Susi und Philipp (327), Eva und ich (323). Nachdem ich zuerst einen Schlüssel für die fünfte Etage in der Hand hatte, regte ich noch einmal einen intensiven Schlüsseltausch an, um in der dritten Etage ein zu Hause zu finden. Im Gegensatz zu unseren Vorgängern (Mannschaften vom SCC, TSV Rudow oder der Landesauswahl Brandenburg) hatten wir sozusagen eine Luxusunterkunft ergattert. Jedes Zimmer war mit zwei Betten ausgestattet, einige hatten sogar eine deutlich breitere Liegefläche, jedes Zimmer war mit einem eigenen Bad und einem Fernseher ausgestattet. Bis auf Zimmer 520 besaßen alle eine Dusche und ein WC, die Ausnahmen waren eine Badewanne, ein kleiner Flur und 2 Sessel, statt der sonst üblichen Stühle, ich hatte also für den kürzeren Laufweg auf das bessere Zimmer verzichtet, so was… (zumal es einen Fahrstuhl gab, der meistens funktionierte). Alles war sehr sauber und im Foyer wurde minütlich der Boden gewischt. Nachdem alle ihre Koffer kurz abgelegt und die Zimmer inspiziert hatten trafen wir uns im Foyer, wie die Hühner auf der Stange saßen alle auf dem ellenlangen schwarzen Ledasofa, gegenüber dem Empfangstresen.

Nach einer kurzen Ansprache von Victor und meinen ersten zornigen Kommentaren zum Thema: Fehlende Mützen, Schals oder Handschuhe – die sich ja bekanntlich im Koffer als viel nützlicher erweisen, als draußen – ging es mit den hungrigen Mäulern erstmals durch die Stadt. Es war bereits dunkel, aber das leicht mit Schnee bedeckte Poltawa zeigte sich von seiner schönsten Seite. Über den zentralen Platz, um den herum die politischen Zentralgebäude im Kreis angeordnet und wunderschön beleuchtet waren, ging es an der „Siegessäule“ – deutlich kleiner und mit einem goldenen Adler statt unserer Else – vorbei in die „Friedrichstraße“ oder auch „Unter den Linden“. Sozusagen die Einkaufsstraße, von beeindruckenden Laternen rechts und links bestrahlt. So liefen wir mit unseren ersten Eindrücken durch die Fußgängerzone bis hin zu einer Pizzeria. Nach 19:00 Uhr kann man nur noch in Restaurants essen, da die Läden bereits geschlossen haben. In einem sehr geräumigen und modernen Laden aßen wir uns an köstlicher Pizza satt und haben zum ersten Mal die große Kluft zwischen Deutschland und der Ukraine erkannt. Für gerade einmal 2,00 € pro Person haben wir uns satt gegessen. Erschöpft und satt spazierten wir zurück durch die Stadt in unser Hotel. An diesem Abend hatten alle Gelegenheit sich ein wenig einzuleben und von dem lange dauernden Reisetag zu erholen. Um 23:00 Uhr hieß es bereits Äuglein zu und schlafen.

TAG 2

Um etwa 08:00 Uhr trafen wir uns im Foyer und liefen wieder ein wenig durch die Stadt zu einem Schnellrestaurant. Dort gab es alles Mögliche, was wir uns zu einem Mittagessen vorstellten, in den Gesichtern der Jungs und in meinem waren sämtliche Erwartungen erst einmal etwas getrübt und nachdem jeder sich etwas Essbares gesucht hatte, beschlossen wir mit Victor am nächsten Morgen das Frühstück im Hotel auszuprobieren. Da nun jeder mehr oder weniger im Magen hatte, ging es wieder Richtung Hotel, wo bereits ein Bus auf uns wartete. Um 10:00 Uhr starteten wir Richtung Museum. Eine Weile düsten wir mit unserem gelben „Schulbus“ durch die Stadt, um dann zwischen einem Museum und einer Kirche zu halten. Wir hatten bis zu unserer Führung noch etwas Zeit, so dass Victor uns schon einiges über diesen Ort erzählen konnte. Geschockt von dem nicht oder kaum vorhandenen Geschichtswissen aller Sportler, war mir wichtig, dass jeder von hier eine Menge mitnimmt. Nicht nur das Turnier, sondern auch Kultur und Geschichte, die zum großen Teil auch unsere Geschichte ist, sollte jeder Sportler mitnehmen. In Poltawa fand 1709 die entscheidende Schlacht im Nordischen Krieg zwischen Karl XII. aus Schweden und Peter I. aus Russland statt. 1345 russische Soldaten fielen in dieser entscheidenden Schlacht und noch heute konnten wir auf den Hügel gehen, unter dem die Leichen begraben sind. Gegenüber dem Denkmalhügel befindet sich eine schöne russisch-orthodoxe Kirche, die sich in ihren Anschauungen von den uns bekannten evangelischen oder katholischen Kirchen unterscheidet. Leider fehlt bei den Jungs viel Basiswissen (Vergesst Eure Hausaufgabe nicht!). Im Museum führte uns eine ältere Dame durch die Räume und erzählte uns einiges über die Vorgeschichte der Schlacht und die Schlacht selbst. Zuweilen viel es uns sehr schwer zu folgen, was mit der Akustik zusammenhing. Aber es war sehr interessant. Vor allem die Geschichte um Iwan Masepa fand ich sehr spannend. In jedem Fall war ich sehr beeindruckt von meinen Jungs, die sehr sehr leise waren und versucht haben dem Ganzen zu folgen. Danke Jungs, wir haben dort einen guten Eindruck hinterlassen.

Um uns vor dem anstehenden Spiel gegen den Ausrichter Poltawa noch einmal zu stärken, ging es wieder in die Pizzeria, hab ich schon erwähnt, dass die sehr sehr leckere Pizzen zaubern. Dieses Mal gab es sogar Cola, ich dachte ein Motivationsschub könnte nicht schaden. Nachdem sich nun alle den Bauch voll geschlagen hatten, ging es auf zur Halle. Dort wurden erst einmal die Räumlichkeiten unter die Lupe genommen und am Rande eines Mädchenbasketballtrainings in der Haupthalle begannen wir unsere Erwärmung. Unser Ziel war ganz klar der Sieg. Dass es keine einfache Aufgabe sein würde, wussten wir mit zwei Flügen und einer langen Busfahrt in den Knochen. Erstes Highlight war das Einschlagen, wer sich nicht verletzt hat, hat alles richtig gemacht! Es wird sich nämlich von allen Seiten und Positionen gleichzeitig eingeschlagen, das dafür zehn Minuten lang, bis es zu den Aufschlägen geht. Bereits dort bekamen wir kaum einen Aufschlag über das Netz. Oje. Anschließend gab es immer eine Vorstellung der beiden Teams mit darauffolgendem Shakehands. Nun noch die kurze Teambesprechung und dann kam der Anpfiff.

Grausam, grausam, was meine Augen mit ansehen mussten. Ständig verschlagene Aufgaben, Annahmefehler bei leichten Aufschlägen und NULL Fußarbeit und Einsatzwille bei Dankebällen und Abwehr. Das Ergebnis: ein Abschuss, 14:25 mussten wir unseren ersten Satz abgeben. Nun hieß es aber loslegen, in das Spiel rein finden und uns den zweiten Satz erspielen. Etwas besser, aber mit den gleichen unnötigen Fehlern auf unserer Seite konnten wir nach einem kleinen Endkampf den zweiten Satz mit 25:23 für uns entscheiden.

Nun war alles offen. Es stand 1:1, also los, an die vorherige Leistung anknüpfen und noch einen drauf legen – so zumindest mein Plan. Wieder fielen Bälle einfach so auf den Boden und die Aufschläge waren nicht zum Aushalten, mit 20:25 war der Satz unnötig vergeben. Jetzt musste ein Sieg her, wir mussten uns endlich fangen, um den Sieg für uns zu erspielen. Deutlich besser und mit etwas mehr Kampfgeist konnten wir am Ende zeigen, dass wir auch ein bisschen Volleyballspielen können. Mehr als ein 24:26 war aber nicht drin. Also 1:3 Endstand, mit zu spätem Kampf und viel zu vielen Eigenfehlern.

Da man sich geschlossen gegen das Duschen in der Halle entschieden hatte, ging es direkt zum Abendessen in das gegenüberliegende Einkaufscenter, dort gab es ein Schnellrestaurant mit typisch ukrainischen Speisen. Hackbällchen mit Reisfüllung wurden zu meinem Favoriten. Etwas getrübt von dem Spiel und dem noch ungewohnten Speiseplan machten wir uns auf den Rückweg zum Hotel über unseren Rundelplatz vorbei an der „Siegessäule“. Zurück im Hotel konnte jeder unter der Dusche oder in der Badewanne etwas Entspannung finden. Wir trafen uns nach dem Duschen im Luxuszimmer, um eine kleine Spielauswertung zu machen und uns „Projekt Gold“ anzusehen. Für mich immer wieder eine großartige Dokumentation wie es Laufen kann, selbst bei schwierigem Start. Es zeigt sich bei solchen Filmen auch immer, wer das Herz eines Sportlers hat und das Ende mit Gänsehaut genießen kann. Hundemüde und mit vielen Informationen im Kopf gingen alle auf ihre Zimmer.

TAG 3

Am nächsten Morgen frühstückten wir um 08:30 Uhr im Hotel. Spiegeleier, Brot, Käse, Tee, Milch – da sahen die Gesichter unserer Sportler gleich viel freundlicher aus. Anschließend gingen wir mit Victor wieder Richtung Zentrum, tauschten Geld und konnten ein bisschen im Einkaufscenter bummeln, wobei glaube ich niemand sich so richtig überzeugen konnte, auch etwas zu erwerben. Also hatte jeder seine geliebten „Scheisschen“ dann noch in Naturalien investiert und Saft oder ähnliches eingekauft. Dann aßen wir noch Mittag im Schnellrestaurant, das wir ja bereits vom letzten Abend kannten. Langsam machten wir uns wieder auf den Weg ins Hotel. Noch immer spürte man bei allen eine gewisse Müdigkeit und Schlaffheit von unserem Reisetag. Also entschieden wir bis 15:30 Uhr eine Mittagspause einzulegen, in der jeder sich auf seinem Zimmer ausruhen und ein bisschen Schlummern sollte. Nach dem viel zu kurzen Päuschen ging es auf zur Turnhalle. Um 17:00 Uhr sollten wir spielen. In der Halle angekommen, begannen gerade zwei U18 Teams sich einzuspielen. Wir sahen uns also ein bisschen das Spiel an. Technisch sind uns die Teams dort weitestgehend überlegen und im Gegensatz zu uns kann man in jeder Mannschaft ein einheitliches Technikbild erkennen. Wir gingen dann in die Steinhalle, um uns zu erwärmen. Wer das nicht mit eigenen Augen gesehen hat, glaubt es nicht. Das Volleyballfeld ist durch die Außenwände und einen Pfeiler begrenzt. Das Netz hängt zwischen Außenwand und einem Betonpfeiler. Der Boden besteht aus Beton und ist nur in grüner Farbe gestrichen. Der Boden ist also steinhart, eiskalt und sehr uneben. Dort trainieren die Poltawa Teams. Es ist für sie normal. Auf alten zerrissenen Matten machten die kleinen ukrainischen Mädels, mit denen wir uns die Halle teilten noch ihre Bauchübungen. Für uns unvorstellbar.

Den Film vom Vorabend noch im Kopf habend, erwärmten wir uns. Gegen 18:30 Uhr ging es dann endlich los. Wieder mal Chaos beim Einschlagen, einige von uns taten sich aber auch sehr schwer, so langsam mal das System zu erkennen. Nach dem Shakehands ging es dann endlich los. Aus „Kangaroos Supershoes“ wurde „Born to play“ und schon ging es ans Werk. Wieder waren es die Eigenfehler im Aufschlag, die mich sämtliche Nerven kosteten. Zudem war immer noch kaum Bewegung auf dem Feld zu erkennen. Mit immerhin 22:25 gaben wir den ersten Satz durch das Verschulden eines Spielers ab. Dieser stellte seine eigenen Bedürfnisse über die Mannschaft und machte uns und vor allem mir das Leben schwer. Ich war fassungslos! Nicht mal im zweiten Satz wieder spielen wollend, musste Victor mir einen Schubs geben, ihn einfach wieder aufzustellen. Was folgte war kaum zu ertragen. 15:25 mussten wir uns nicht wegen unserem mangelnden Volleyballspiel, sondern wegen mentaler Schwäche völlig geschlagen geben. Daraufhin nun endlich wachgerüttelt, wollten wir diesen Abschuss so nicht hinnehmen und begannen endlich unser Spiel. Wir pusteten Charkow im Gegenzug 25:14 weg. Das war ein Satz. Vor allem im Aufschlag und im Angriff zeigten wir Großes. Nun endlich Blut geleckt starteten wir in den vierten Satz und kämpften. Verdient gewannen wir 25:19, es hieß also ab in den Tie-Break. Wer nun die besseren Nerven hätte, würde gewinnen. Ich war sehr froh, dass wir an unser Niveau anknüpfen konnten. 15:10 holten wir unseren Sieg, in dem vielleicht besten Spiel, das wir abgeliefert haben. Mit diesem sehnlichst gewünschten Sieg in der Tasche ging es dann auch wieder zur Pizzeria. Völlig erschöpft und die Köpfe schon auf den Tischen liegend, entschieden Paul und ich kein bestimmtes Abendprogramm zu organisieren, sondern nach dem Duschen ins Bett zu gehen.   

TAG 4

Für Mittwoch war erst um 09:00 Uhr Frühstück angesetzt. Wir hatten viel Zeit und mussten erst um 10:30 Uhr Richtung Halle aufbrechen. So ergab sich für alle nach dem Frühstück noch eine kleine Erholungspause. Dann ging es endlich los. Für heute war die Eröffnung des Turniers geplant. In der Halle angekommen, wurden noch die Böden gewischt und das Fernsehteam probte bereits einige Einstellungen. Nach einer Weile verschwanden dann alle Teams. Viele Fotoapparate und Offizielle füllten die Frontseite. Auch Victor gehört hier zu den wichtigsten Figuren, noch heute konnten wir sein Bild im Flur auf der Hall of Fame bewundern. Kurz darauf liefen alle Teams ein. Wir mittendrin. Auf ukrainisch und/oder Russisch wurden dann einige Informationen zum Turnier, Danksagungen et cetera feierlich gesprochen. Wir verstanden natürlich kein Wort. Dennoch ist es wichtig zu erwähnen, dass dieses Turnier ein Gedenkturnier ist. Andrej Kusnezow hat bei dem noch heute für Poltawa arbeitenden Trainer Anatoly Volleyball gelernt. Für die UdSSR spielte er sehr erfolgreich. Unter anderem gewann er 1988 in Seoul die Silbermedaille. Leider kam er in Italien ums Leben. Zu Ehren dieses Spielers bestreiten wir noch heute dieses Turnier. Unter den Augen der Offiziellen und des TV-Teams hissten die Kapitäne aller Teams die ukrainische Fahne und die Nationalhymne erklang. Einige Teams verfolgten diese mit viel Hingabe. Es war schon ein bisschen beeindruckend. In Deutschland gibt es kein vergleichbares Turnier. Direkt nach der Eröffnung düsten Eva und ich ab zur Massage, das wollten wir auf jeden Fall einmal gemacht haben. Während die Jungs noch einmal die Stadt erkundeten (siehe Susis Bericht) wurden wir je eine Stunde durchgeknetet. Zum Teil unter Schmerzen, konnte doch im Nachhinein eine Entspannung festgestellt werden. Direkt auf dieser Etage befand sich wohl auch die Kleinkindstation. Beeindruckt haben mich wieder die anderen Lebensumstände. Bei -5° Außen- und höchstens 3° Innentemperatur liefen die frisch gebackenen Mamas nur in ihrem Bademäntelchen über den Flur, die Neugeborenen waren zwar angezogen, aber nicht sehr warm. Wir sind hier in unserer heilen Welt ganz schön verwöhnt. Ich hätte mir das nicht vorstellen können. Um 14:15 Uhr wieder zurück in der Halle, war schon zu erkennen, dass unser Spielbeginn sich wohl wieder von 15:00 Uhr auf eine Stunde später verschieben würde.

Nachdem wir uns kurz in der Steinhalle warm machten, holte uns Anatoly dann doch nach oben in die dritte Halle. Ebenfalls auf bunt lackiertem Parkett konnten wir uns nun erwärmen. Nun mussten wir nach unserem gestrigen Sieg noch einen drauf legen, um unser Satzverhältnis wieder aufzubessern. So starteten wir in den ersten Satz. Und das wieder einmal mit viel Mühe. Ganz überraschend verloren wir den ersten Satz, wegen mangelnder mentaler Stärke und zu vielen Eigenfehlern 18:25. Nun mussten wir aber eine ganz schöne Schippe drauf legen um noch ein 3:1 einfahren zu können. Endlich im Spiel angekommen, wurden wir deutlich stärker und konnten auch in der Abwehr immer wieder mit guten Aktionen glänzen. Schließlich waren es unsere sehr eindrucksvollen Angriffe die uns 3 Satzgewinne bescherten. Mit 3:1 (-18;20;23;22) holten wir unseren zweiten Sieg. Mit starken und schwachen Phasen, war es wieder ein Spiel mit Höhen und Tiefen gewesen. Dennoch sind unsere Höhen zum Teil ganz schön beeindruckend. Und wer gewinnt darf ja bekanntlich auch Pizza essen. Also ging es in unseren Stammladen, die Prozente, die wir bekamen waren aber nicht mehr zu steigern. Dennoch speisten wir wieder einmal sehr lecker. Mit einem Sieg in der Tasche und vollen Mägen ging es zurück ins Hotel und endlich Duschen. Da wir bereits gegen 20:00 Uhr wieder im Hotel waren, waren für diesen Abend Gesellschaftsspiele geplant. Jeder musste ja etwas vorbereiten. Wir trafen uns im Luxuszimmer bei Paul und Basti (zwischendurch hatte es noch einen Zimmerwechsel gegeben, um Lukas die Möglichkeit zu geben einige Spieler intensiver kennen zu lernen). Schnell entschieden wir uns für die „Werwölfe des Düsterwaldes“ einigen vielleicht in der Mafiavariante bekannt. Ich werde auf eine detaillierte Spielerklärung verzichten. Nur soviel, es gehört einiges an Menschenkenntnis, Intuition und Interpretation dazu, um auf die richtige Lösung zu kommen. Außerdem geht es um Vertrauen und Täuschung. Ich bin im Laufe der Woche zu einem riesen Fan geworden. Ich finds einfach toll, zumal man viel über die Spieler erfahren kann. Um 00:00 Uhr trällerten wir dann noch ein Geburtagsständchen für Basti und dann gingen alle auf ihre Zimmer.  

TAG 5

An diesem Morgen hatten einige von uns mehr Stress als andere. Das Frühstück für alle war um 09:00 Uhr geplant. Nur Paul und ich mussten bereits um 07:55 Uhr im Foyer sitzen. Warum? Wir hatten zusammen mit Victor einen Termin beim Lokalfernsehen. Der Sender hatte ja bereits am Vortag von der Eröffnungsfeier berichtet und waren wir eingeladen ein bisschen über das Turnier und den Volleyball in Deutschland zu erzählen. 08:15 Uhr trafen wir pünktlich im TV Gebäude ein. Nach dem der Security Mann uns das OK gab, konnten wir die Treppen in die dritte Etage hoch stiefeln und so langsam überkam mich doch ein bisschen Aufregung. Wir liefen nun direkt durch den Aufnahmeraum, indem der Moderator sich bereits vorbereitete und gingen weiter in den Raum dahinter. Dort befand sich die Aufnahmeleitung und auf lauter kleinen Bildschirmen konnte man verschiedene Programme inklusive des laufenden sehen. Es sah ein bisschen aus, wie die Pulte bei StarTrek. Die Geräte waren sehr alt, aber aufgeregt war ich trotzdem. Dann wollte man unsere Namen wissen und wir gingen wieder ins Aufnahmezimmer. Vor einer bunt dekorierten Wand standen 4 Stühle um einen kleinen runden Tisch für unsere Gesprächsrunde. Drei Kameras waren auf uns gerichtet und wir konnten auf einem kleinen Bildschirm das aktuelle Programm einen Zeichentrickfilm verfolgen. Victor wurde noch mit einem Mikrofon ausgestattet und nach dem Hinweis, dass wir nicht direkt in die Kamera schauen sollten ging es auch schon los. Zuerst wurde Victor gefragt, was wissen wir nicht so genau, unsere Sprachkenntnisse waren so ziemlich Null. Dann wurden wir gefragt wie wir das Turnier finden und wie uns die Ukraine gefällt. Spannend wurde es bei der Frage, ob wir das Turnier gewinnen wollen. Natürlich sagte ich ja! Paul stimmte mir zu. Abschließend erkundigte sich der Moderator über den Volleyball in Deutschland und nach der Mitteilung meines Halbwissens war das Interview nach etwa 15 Minuten auch schon wieder vorbei. Er verabschiedete sich noch mit den Worten, er möchte natürlich, dass Poltawa das Turnier gewinnt. Sichtlich erleichtert ging es mit ein bisschen Stress und Adrenalin im Blut wieder zurück zum Hotel. Wir hatten ja einen Termin. Eva dekorierte den Tisch mit einer Twix Torte und Kerzen, während Theo Basti aufhalten sollte, das gelang ihm hervorragend durch die Umstellung von Bastis Uhr, sehr gut Theo! So stürmten Paul und ich die Treppe hoch und hatten gerade noch genug Zeit, um die restlichen Unterschriften zu sammeln und mein zweites Geschenk zu drapieren. Dann wurden Theo und Basti aus ihrem Zimmer abgeholt. Nach einem Geburtstagsständchen, schaffte Basti es alle Kerzen auf einmal auszupusten. Dann ging es an die Geschenke, der aktuelle Bestseller Hummel Dumm in Anlehnung an unsere Reise, das neueste Buch von Kaya Yanar sowie eine Staffel Two and a half man plus Poloshirt der Nationalmannschaft wurden, wenn auch nach einigen Suchhinweisen gefunden und bestaunt. Ich denke Basti hat alles ganz gut gefallen und sein Geburtstag wurde anständig eingeleitet. Bis zwölf Uhr war dann nach der langen Nacht noch einmal Ruhepause. Ich wollte ja auch mal schlafen, was mir zumindest ganz kurz mal gelang. Dann ging es mit Sack und Pack zum Mittagessen. Anschließend bummelten wir noch ein bisschen durch die Gegend zum Lenindenkmal. Da gab es noch einmal ein paar Geschichtsinfos, ich hoffe es ist einiges hängengeblieben. Wir wissen viel zu wenig von all diesen Umständen. Wir sind auch noch einmal auf den Zweiten Weltkrieg zu sprechen gekommen. (Im Übrigen, die Jungs lesen alle zu wenig!!!) Hoffentlich ein wenig darüber nachdenkend ging es dann wieder Richtung Halle. Dieses Mal startete das Warm-Up schon wie geplant 14:00 Uhr.

Um 15:00 Uhr startete dann ziemlich pünktlich unser Spiel. Nach Victors Einschätzung der schwerste Gegner. Wir hatten uns für diesen Tag, nach den schwierigen Starts der letzten Tage, einen Sieg im ersten Satz vorgenommen. Wir wollten von der ersten Minute an voll da sein, ganze Aufmerksamkeit in das Spiel legen und einfach kämpfen. Also los. Endlich halbwegs stabil im Aufschlag konnten wir uns immer wieder einen Vorsprung erspielen. Auch im Angriff waren wir sehr souverän und konnten damit den ersten Satz für uns mit 25:18 verbuchen. Yes! Endlich geschafft. Wir haben mal von Anfang an voll gespielt. Jetzt kam der schwierige Teil wir mussten diese Anspannung mit in den nächsten Satz nehmen. Wir starteten ganz annehmbar und führten auch hin und wieder mit kleinen Abständen, zur Mitte des Satzes fielen einige in ein kleines Motivationstief und dumme Fehler lösten unseren Vorsprung auf. Zum Ende des Satzes hatten sich alle wieder gefangen und es hieß fighten. Ab dem 24:24 tobte die Halle. Nun ging es hin und her. Immer wieder konnten wir Matchbälle abwehren und noch einmal unsere Chance nutzen. Dennoch, am Ende nach einem grandiosen Endspurt beider Teams mussten wir 30:32 den Hut ziehen und mit enttäuschten Gesichtern die Seite wechseln. Eines war klar, nur wenn wir uns fangen und unsere Stärken im Kopf haben, holen wir uns diesen Satz. Die Niederlage noch scher im Magen liegend, starteten wir sehr schleppend, dennoch gab ich nicht auf und wir fingen uns immer wieder. Erst am Ende des Satzes zeigten wir wieder unser Niveau. Zu spät. 24:26 ging auch dieser Satz denkbar knapp an Kiev. Jetzt mussten alle an den Sieg glauben, um den Spieß zu drehen und den Ausgleich zu erzwingen. Während eine Hälfte des Teams bis zum letzten gekämpft hat, fehlte es anderen an Kraft, sowohl körperlich, als auch mental, um sich noch einmal voll in das Spiel zu hängen. Unter unseren Möglichkeiten bleibend, aber ganz anständig spielend, riefen wir wieder erst im letzten Drittel des Satzes unser Niveau ab. Wieder zu spät. Wir vergaben durch unsere Einstellung und die mentale Schwäche, an den Sieg nicht glauben zu können auch den vierten Satz knapp mit 23:25. Zum ersten Mal Stille in der Halle. Kein kreischender Netzhopper, keiner der Blödsinn machte oder einen dummen Spruch los ließ. Jeder war mit sich beschäftigt, dachte über die Niederlage nach. Es war ein Spiel, dass uns sehr weit nach vorn gebracht hat und aus dem wir sehr viel lernen konnten! Wir werden in dieser Saison kein Spiel mehr aus diesen Gründen und bei diesen Spielständen vergeben!

Nach einiger Regulationszeit ging es dann erst mal kurz duschen im Hotel und dann war Treffpunkt im Foyer um ins zweite deutlich größere Einkaufscenter zu fahren. Dort fährt ein Bus regelmäßig hin, für den man nichts zahlen muss. Also ging es los. Dort angekommen wurde erstmal das Schnellrestaurant gestürmt, so langsam wusste ja auch jeder was er mag und wir erfreuten uns an den Eiskunstläufern bei der Nahrungsaufnahme. Während des Essens hatten bis auf unsere Zweinzelgänger, dann auch alle Lust eine Runde Schlittschuh zu fahren. Da wir zeittechnisch aber genau 1 Stunde hätten warten müssen, um aufs Eis zu dürfen, fiel der Plan erst mal flach. Schade eigentlich, das sollten wir trotzdem noch mal machen, Jungs, es soll ja in Deutschland auch ein paar Möglichkeiten geben! (Wer nimmt das in die Hand? Freiwillige vor!) Anschließend ging es dann aber wie geplant auf die Bowlingbahn. Zwei Bahnen hatten wir zur Verfügung in folgender Besetzung: Theo, Bash, Phili, Nicol, Eva und Paul, Firas, Luka, Kevi, Susi. Während letztere Bahn mit einigen Wetten auf sich aufmerksam machte, hatte Bahn 9 die Ruhe weg. Paul siegte in jeder Hinsicht, egal ob mit rechts oder links oder mit beiden Händen, lediglich, mit beiden Händen rückwärts schüttelte auch Paul nicht aus dem Handgelenk. Ganz überraschend, aber immerhin erst in letzter Minute gewann Paul das Bowlen, vor Nicole (2.) und Theo (3.). Noch etwa eine Viertelstunde Zeit habend, marschierten wir Richtung Haltestelle. Kaum aus dem Center herausgetreten, rief uns ein Jugendlicher irgendetwas Deutsches hinterher. Wenig später standen sich zwei Gruppen gegenüber, eine ukrainische Gruppe Jugendlicher um die 18 Jahre und unser Team. Mit einzelnen Worten Deutsch oder Russisch holperte man so voran, bis wir mit Englisch ein gutes Mittelmaß gefunden hatten. Der Hauptsprecher der Ukrainer war sehr nett und sehr interessiert. Er meinte sie kämen aus Charkow und hätten dort auch ein gutes Volleyballteam, das uns schlagen würden, es brauchte einige Zeit, um ihm zu erklären, dass wir dieses Team bereits geschlagen hatten. Er erzählte noch wie teuer es wäre zu studieren und das man sich das nur mit Geld leisten könne. Ein Studiengangwechsel ist dabei auch fast ausgeschlossen. Die Truppe war sehr nett, wir machten noch ein Abschlussfoto und hatten in Sachen Völkerverständigung wieder einen kleinen Beitrag geleistet. Dann ging es mit vielem Winken zurück Richtung Hotel. Dort angekommen, trafen wir uns dieses Mal in Zimmer 323, sozusagen dem Trainerheiligtum und spielten nun zu zehnt unsere geliebten „Die Werwölfe von Düsterwald“. So langsam wusste man wer wie tickt und jeder wurde auch ein bisschen besser im Verstellen. Trotz einer vier Runden dauernden Durchhängephase meinerseits, lag ich wieder weitestgehend richtig. Um 00:05 Uhr etwa kam der Nachtwart und ermahnte uns leise zu sein. Obwohl wir nicht sehr laut waren, beschränkten wir uns danach aufs Flüstern. Dennoch bekamen wir eine Stunde später wieder Besuch, während man im Zimmer neben an auf Russisch sehr laut sprach und fleißig Musik hörte. Als ich schließlich ganz dringend aufs Klo musste, traute ich meinen Ohren kaum, unter einigem leisen Gepolter und Geraschel gemischt mit gehessigem Lachen, konnte ich kaum an mich halten. Hätte ich nicht so lange und dringend pinkeln müssen, wäre ich aufgesrpungen! Als ich aus der Tür stürmte, sah ich sie…. alle am Grinsen, Susi kriegte sich gar nicht mehr ein! Ich beschuldigte nur Eva, weil mir klar war, was geschehen war. Die eingesammelten Süßigkeiten befanden sich ein einer Tüte im Schrank und zwei Bifipackungen lagen unter Evas Bett. So zumindest der Urzustand. Als ich im Raum stand, wollten urplötzlich alle ins Bett gehen, mit einsetzendem Gesichtsmuskelkater und übermäßigem Grinsen, musste ich alle zornig zurückweisen. Nach geringfügigen Untersuchungen der einzelnen Jungs, konnte ich zumindest ein paar Bifis sicher stellen, war mir aber sicher, dass das meiste seinen Weg auf den Flur gefunden hatte. In Socken, Unterhosen, Schuhen und wer weiß wo noch. Als die Jungs dann alle raus waren, konnten wir drei Mamas nicht mehr. Ich konnte nun auch nicht mehr an mich halten und hab mich vor lachen halb weggeschmissen. Erst recht nach den Erzählungen von Eva und Susi wie die Wolfsherde einheitlich und fast wie abgesprochen auf die Beute gesprungen ist und dann in der Gruppe brüderlich geteilt hat (Eva wurde als Mitglied der Gruppe betrachtet.). Wir haben noch eine Weile herzlich gelacht. Und die Jungs auf ihren Zimmern wohl auch. Es war ein großartiger Abschluss dieses langen Geburtstages. Never forget the Bifi-Boys!!! Ihr seid der Hammer!

TAG 6

Heute wollten wir noch einmal alles geben. Es war wichtig heute bewusst und sehr konzentriert zu starten und einen klaren Sieg zu holen. Nur ein 3:0 wollten wir akzeptieren. Sehr früh starteten wir in der Steinhalle unsere Erwärmung. Sehr ruhig und mit Musik. Wer mich kennt, weiß das ja. Im Kopf sollte nun jeder das kommende Spiel durchgehen, währenddessen lief einer DER Songs der MeisterschaftsCD. Danach fand ich eine Atmosphäre, die ich gern in jedem Training wiedersehen würde. Jeder arbeitete ganz bewusst für sich und beschäftige sich bereits mit dem Spiel. Niemand sprach. So gewinnt man wichtige Spiele! Nach der Teamvorstellung und dem bekannten Shakehands ging es los. Wir waren da. Laut und konzentriert. Mit guten Aufschlägen und einigem an Kampf zeigten wir noch einmal unsere Spielweise und konnten mit wenig Eigenfehlern wieder den ersten Satz für uns entscheiden. 25:20. Nun hieß es im zweiten Satz an diese Leistung anzuknöpfen. Belgorod war uns hart an den Fersen und wir mussten ganz schön schwitzen. Schließlich gelang es dem Team, während der Aufschlagserie von Theo, acht Punkte in Folge zu erarbeiten und damit auch bis zum Ende des Satzes einen großen Vorsprung zu wahren. 25:18 war der Endstand. Nun völlig in Fahrt gekommen und mit dem deutlichen Satzgewinn auch den Gegner völlig aus dem Konzept gebracht, gaben wir noch einmal Alles und spielten sehr souverän einen großartigen allerletzten Satz des Turniers. Mit, man lese und staune, 25:8 beendeten wir das Turnier mit einer unserer besten Leistungen. Enorm Jungs, enorm und verdient. Das Ziel 3:0 war erfüllt und damit der dritte Platz des Turniers sicher. Ein kleiner Freudentanz auf unserer Feldseite bildete den Abschluss. Nun hieß es ein Weilchen warten, da extra für uns unsere Siegerehrung bereits einen Tag vor Turnierende stattfand. Mit Bronze und einer anständigen Leistung konnten wir damit unser Turnier krönen und die Woche enden lassen. Paul wurde noch als bester Spieler der Mannschaft ausgezeichnet. Und dann wurden unzählige Fotos geschossen. Von Spielern, und Mamas und Trainern und die Jungs bedankten sich noch gebührend mit einer Hechtbaggerkette bei ihren weiblichen Fans. Es hat einen riesen Spaß gemacht.

Nach allen Verabschiedungen gingen wir ein letztes Mal zu unserem Schnellimbiss Mittagessen. Noch einmal schmauste jeder sein Lieblingsessen. Dann beeilten wir uns zum Hotel zu kommen. Ich wollte unbedingt noch vor dem geplanten Trainerbankett Zeit mit meinen Jungs verbringen! Wir hatten etwa eine Stunde Zeit, bis ich los musste. Also spielten wir wieder bei Eva und mir, wieder mit allen zusammen unsere geliebten Werwölfe.  

Einschub Theo: „Da wir uns vortrefflich repräsentiert hatten, wurde unsere Lieblingstrainerin natürlich auch gleich zum Bankett eingeladen. Während sie sich mit den anderen Trainern und Wodka (oder auch einer halben Flasche Wasser) vergnügte, machten wir uns mit den Muttis auf die Suche nach Proviant für die lange Reise am nächsten Tag. Da kam ein kleiner Pizza-Snack mit deutlich zu vielen Eiskugeln gerade passend. ;) Im Hotel angekommen kosteten wir gleich von ein paar mehr oder weniger köstlichen Eroberungen aus dem ATG (ukrainischer Supermarkt), spielten Trinkspiele mit Kaugummi-Limonade. (Die war nich ganz ohne...;)) Aus Jux und Dallerei haben wir uns überlegt, wie wir mit Filzstift-Bärten aussehen würden ;)“

Dann musste ich los, Victor stand schon in der Tür (einige nutzen die Gelegenheit erneut an der Süßigkeitentüte zu schnuppern!! Grrrr). Also los. Mit einem Taxi ging es Richtung Autobahn. Wir holten noch die Trainerin des russischen Teams aus Moskau von ihrem Hotel ab und dann ging es eine Weile über die Autobahn und durch die Pampa. Ich war schon sehr gespannt wie das Ablaufen würde. Natürlich war längst geklärt, dass ich Tabletten nahm, und ich so dem Alkohol wie immer fern bleiben dürfte. Dort angekommen, waren schon einige da. Ich funktionierte natürlich nur mit Victor – ohne Übersetzer war ich völlig verloren. Dann konnte man doch noch mal ein paar Informationen mit den anderen Trainern austauschen. Dann ging es in einem kleinen Saal an den riesigen Tisch, alle Trainer und einige Offizielle saßen um denselben Tisch, wir waren bestimmt 35 Leute. Dann gab es einige Ansprachen. Jedes Mal wurde mit Vodka angestoßen. Ich beschränkte mich auf Wasser. So ging es eine Weile. Einige sprachen noch einmal über Andrej, zumal auch sein Bruder anwesend war – sehr sympathischer Mann. Andere sprachen über die Qualität des Turniers und wieder andere über den Trainerberuf, der ja schlecht bezahlt würde, und den man nur mit Leidenschaft ausführen könne. Eine Trainerin hoffte, dass die Spieler ihre ersten Trainer nicht vergessen. Zwei andere sprachen auch kurz über unsere Mannschaft und das sie positiv aufgefallen sei. Nach dieser ersten Ansprachenrunde, in der auch ich das Wort ergreifen musste (ich weiß nicht, ob Victor beim Übersetzen manchmal geschummelt hat), auf die Tanzfläche. Es standen zwei große Boxen und eine anständige Musikanlage da. Zu mir bekannten etwas älteren Songs sind einige voll abgegangen, den Spaß habe ich mir natürlich nicht nehmen lassen. Dann ging es wieder an den Tisch und pö a pö gingen die kleinen Reden weiter, im Laufe des Abends sank natürlich auf Grund des Alkoholkonsums das Niveau, aber es war sehr amüsant. Zwischendurch wurde immer gegessen und gequatscht. Nachdem offenbar die letzte Redenrunde abgeschlossen war, ging es wieder auf die Tanzfläche, dieses Mal hielt es kaum jemanden auf den Stühlen. Mit einigen Männern dürfte ich dann noch tanzen. Es war ein runder und lustiger Abend. Alle waren sehr freundlich und ich hoffe ich darf nächstes Jahr alle wiedersehen. Als wir um 22:00 Uhr wieder Richtung Hotel aufbrachen, lud uns die Trainerin aus Moskau noch nach Russland ein und brachte uns noch eine Präsenttüte. Dann freute ich mich auch schon wieder sehr darauf meine Jungs zu sehen. Völlig euphorisiert von meinem Abend stürzte ich ins Hotel, verzichtete nach dem Tanzabend aufs Duschen, damit ich schnell auf das Teamzimmer gehen konnte. In meinem überschwänglichen Positiv und in all den Gedanken, die ich hatte und allem, was ich den Jungs sagen wollte, wurde ich schwerlich entrissen. Bereits an der Treppe hörte ich um 22:30 Uhr die Jungs laut lachen. Sauer stürmte ich ins Zimmer. War enttäuscht und wütend. Ich brauchte ein paar Minuten, um mich zu beruhigen. Dann redete ich mich eine Weile ins Thema, um dann – vielleicht nicht mehr mit den noch schöneren Worten, die ich zuvor im Kopf hatte – meine Abschlussrede an die Jungs loszulassen. Darüber werde ich hier natürlich nichts sagen. Das geht nur meine Jungs etwas an!

Dann zockten wir wieder mal unsere Werwölfe vom Düsterwald. Im Anschluss wurde noch eine interessante Runde Wahrheit ohne Pflicht gestartet. Da einige Augen kurz vorm Zufallen waren, entschlossen wir uns in ein anderes Zimmer zu gehen. Und zockten um zwei Spieler dezimiert noch zwei Runden Poker. Kevin und Paul gewannen. Fast völlig ermüdet konnte ich mich noch für eine Runde Romme begeistern. Wer gewonnen hat, weiß ich schon gar nicht mehr. Um 04:25 Uhr fiel ich kurz in den Schlaf.


TAG 7

Um 07:00 Uhr hieß es schon wieder aufstehen. Ach ja, packen musste ich ja auch noch. Beim Frühstück konnten wir ein paar schöne Abschlussfotos schießen. So hat man die Jungs sicher selten gesehen. Großartig. Dann endlich alle Zimmer kontrolliert und alle Taschen ins Foyer geschleppt, ging es ans Bus bepacken. Vor dem Hotel warteten noch Anatoly und zwei Mädels auf uns. Wir wurden also gebührend verabschiedet. Schießen noch mal ein paar Fotos und tauschten noch schnell Emailadressen. Dann ging es los. Nach einer halben Stunde hatte jeder ein bisschen Ruhe gefunden und die meisten hielten ein Nickerchen. Wir machten wieder einen kleinen Zwischenstopp, dieses Mal mit richtigen Toiletten aber immer noch halben Kabinen. Im Anschluss zockten wir im Bus dann unsere letzten Runden „Düsterwald“ bis wir am Flughafen eintrafen. Es war ein gebührender Abschluss. Dann hieß es wieder warten. Einchecken. Warten. Kontrolle. Warten. Abflug. Ein bisschen Schlafen oder zumindest ausruhen. Beim ersten Flug hatten wir wunderschönen blauen Himmel und die Sonne schien sehr schön. Ich hörte Musik und war unglaublich entspannt. In Budapest angekommen, hielt meine Entspannung an. Endlich konnte ich wieder meine heißgeliebte heiße Schokolade trinken. Im Duty-free-shop noch schnell ein kleines Mitbringsel ergattert, ging es dann weiter in den nächsten Flieger. Ganz überraschend hatte er Propeller. Neben Theo und gegenüber Paul ging der Flug schnell vorbei. Theo und ich hörten Musik und quatschen ein bisschen. Dann ging mir der Landeanflug doch ein bisschen zu holprig von statten und meine Entspannung war dahin. Mit Tüte in den Händen und Unterstützung von Theo wollte ich nur noch da raus. Sone sch… ich hab mich gefühlt, als wäre ich wieder schwanger gewesen. Naja der Bus zum Gate machte es nicht wirklich besser. Vorm Eingang dann endlich erleichert, konnte ich mich allmählich wieder fangen. Wer den Kram neun Monate hinter sich hat, lässt sich doch von 20 Minuten nicht aus dem Konzept bringen.

Am Flughafen wurden wir schon erwartet und freudig begrüßt. Es war uns ein großes Anliegen Victor noch ein kleines Präsent zu überreichen. Der uns als Manager, Übersetzer, historischer Stadtführer, Trainer, Organisator und als Mensch viel mehr als nur eine große Unterstützung war. Ohne DICH wäre das alles gar nicht möglich gewesen. Vielen Vielen Dank! Für deine Hilfe und Unterstützung!

Nachdem wir uns bei Victor noch mit einem kleinen Präsent bedankt hatten, verließen die Familien langsam die Empfangshalle. Eine ereignisreiche Woche war zu Ende… oder doch nicht. Auf der Fahrt im Auto bis zu meinem eigenen Pkw, ging mir so vieles durch den Kopf. Verschiedene Szenen und Sätze, die gesprochen wurden. Es wollte nicht aufhören. Endlich zu Hause angekommen, zog es mich trotz aller Müdigkeit doch noch einmal auf facebook. Und siehe da, im Minutentakt tauchten alle noch einmal auf! Keiner wollte, dass es endet! Und heute sind wir bereits knapp drei Tage wieder im Lande und doch endet es immer noch nicht…

Ich möchte im Folgenden noch einen kurzen Eindruck des Turniers schildern und meine Sportler noch einmal knapp darstellen. Über die Woche hinweg, hat jeder eine Entwicklung durch gemacht. Angefangen bei PHILIPP, der sich als jüngster am meisten entwickelt hat. Vor allem im Mitdenken und Mitspielen hast du einen ganz großen Schub gemacht. Es freut mich sehr das zu sehen. Ich hoffe wir können daran anschließen und einen noch größeren Sprung bis zu unserem Zielwettkampf schaffen. KEVIN hatte es am schwersten. Er musste seine Gelegenheit eingewechselt zu werden immer nutzen, um im Spiel zu bleiben. Du hast deine Sache sehr gut gemacht, dich sehr fair und sportlich verhalten. Es war mir eine Freude Dich als Unterstützung mit dabei zu haben (auch wenn meine Spitzen manchmal nicht darauf schließen lassen). FIRAS hat mir wieder besonders Spaß gemacht. Vor allem neben dem Feld. Auf dem Court hast du immer Deine Leistung abgerufen und bis auf ein paar kleine Schwächephasen das Team ganz großartig unterstützt und auch für Dich selbst und die U18 Meisterschaft einiges mitgenommen. Danke für diese Woche! BASTI hat trotz einiger Tiefen einen überragenden Satz abgeliefert. Das habe ich bisher von dir noch nicht gesehen! Einfach unglaublich mehr davon. Und vergiss den Rest. Wir haben alle gesehen, was Du kannst. Also raus damit und zwar öfter! LUKAS der mich ja bereits in Dresden von seinem Kampfgeist überzeugt hat, konnte damit vor allem in den ersten Spielen wieder punkten. Das Mitspielen und Dein Auge im Angriff lassen mich großes auf Dich wetten. Ich bin sehr gespannt wie unser Weg weiter geht. Ich bin sehr froh Dich mit in meinem Team zu haben! THEO hat das beste Turnier seines bisherigen Lebens gespielt. Das war beeindruckend. Dieser Teamgeist, deine mentale Stärke, dein Anfeuern, ohne das wäre das nicht möglich gewesen. Als bester Aufschläger des Turniers hast du eine sehr souveräne Leistung abgeliefert. Mehr davon!! PAUL hat auf Grund einer Verletzung nicht ganz an seine höchstmögliche Leistung anschließen können. Dennoch war es wie immer eine überzeugende Leistung. Nicht umsonst bist Du als bester Spieler unserer Mannschaft ausgezeichnet worden. Aber viel mehr als darüber, freue ich mich über deine Kapitänsqualitäten, die sich immer intensiver zeigen. Mich persönlich hat es ganz besonders gefreut endlich die als Menschen kennenzulernen. Vielen Dank dafür!

Ein ganz großes Dankeschön geht aber an Susi und Eva, die in allem was so anfiel, eine riesengroße Unterstützung waren. Es hat mir einen riesen Spaß  mit Euch gemacht!!!! Vielen Danke noch einmal!!

Und als letztes möchte ich mich bei meinem Team bedanken. Ihr habt viel gelernt, über eine fremde Kultur, fremde Gerichte, Armut, Sport, und über Euch selbst. Über unser Team und darüber, was wir leisten können. Ich glaube wir haben ein  tolles Turnier gespielt, in dem wir nur ganz knapp dritter geworden sind, da war mehr drin. Und vor allem glaube ich, dass wir noch nicht voll ausgespielt haben. Ich denke wir haben noch viel Spielraum nach oben und haben noch lange nicht alles abgerufen, was wir spielen können. Ich freue mich riesig auf unsere Meisterschaften. Die nächsten Wochen werden schwer und schön. Der Kampf wird sich lohnen. Ich bin so froh Teil von Euch, Teil von Netzhoppers sein zu dürfen. Es war mir eine Ehre mit Euch dieses großartige Turnier und diese unglaubliche Woche erlebt zu haben. Ihr macht mein Leben reicher!!!! Danke! Danke, dass es Euch gibt!!!!

Hier noch einmal unsere Ergebnisse:

Poltawa 1:3 (-14;23;-20;-24)

Charkow 3:2 (-22;-15;14;19;10)

Moskau 3:1 (-18;20;23;22)

Kiev 1:3 (18;-30;-24;-23)

Belgorod 3:0 (21;18;8)

 

 

Kommentare 

 
#3 Kati 2011-02-09 13:08
@ Nicole, wenn Deine Jungs mit diesem Bericht durch sind, kannst Du nicht mehr sagen: "sie lesen zu wenig!" :P
Toller Bericht!
 
 
#2 hans-jochen rodner 2011-02-09 12:37
hallo nicole, kann mich den vorschreiber nur anschließen. habe meinen Kommentar schon bei Susi Dorn abgegeben. Bericht werde ich mir in ruhe nochmals durchlesen. danke an alle mitmacher!
 
 
#1 Helge 2011-02-09 11:34
Tief beeindruckt von den detaillierten Schilderungen und spürbaren Emotionen gibt diese Erfahrung allen Auftrieb, die sich vor und hinter den Kulissen für die gemeinsame Idee NETZHOPPERS einsetzen... Nicole, vielen Dank für diesen Bericht! Und dem gesamten Reiseteam wünschen wir lang anhaltende, positive Eindrücke und Erlebnisse einer ganz besonderen Fahrt. Herzlichen Dank an alle, die mitgewirkt haben!!
 

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